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Der Ort Bruck entstand an der Regnitzüberquerung der aus Böhmen kommenden ost-westlichen "Eisen-" oder "Frankenstraße". Wohl zunächst nur als eine Ansammlung von Mühlen, kam Bruck als Grenzort an der Stammesgrenze des fränkischen Rangau und des bayerischen Nordgaues wachsende Bedeutung zu. Mit der 1021 beurkundeten Übereignung des Herrschaftsgutes Aurach durch Kaiser Heinrich II. fiel Bruck an Bamberg, dessen Bischof Eberhard in einer drei Jahre später datierten Urkunde Baumaterial zum Bau einer Brücke bereitstellen ließ.

Die bei einer 1958 durchgeführten Kirchenrenovierung ergrabenen Grundmauern legen die Entstehung einer romanischen Pfarrkirche in dieser Zeit nahe. Die in drei deutlich ausgeprägten Brandschichten von 2 bis 5 Zentimetern Dicke erhaltenen Holzkohleteilchen deuten auf eine Holzkirche als erstes Brucker Gotteshaus hin.

1282 wird Bruck zum ersten Male urkundlich erwähnt, als Rudolf von Habsburg die Gemeinde Bruck dem Nürnberger Burggrafen Friedrich zum Lehen überträgt. Von da an zur Reichsstadt Nürnberg gehörig, war Bruck Zollstation an der Grenze zum Gebiet des Hochstiftes Bamberg und Gerichtsort für Eltersdorf und Tennenlohe.

Ein 1396 vom St. Sebalder Propst erwirkter Ablassbrief lässt die Bauzeit des heute bestehenden Kirchenbaues auf den Wechsel vom 14. zum 15. Jahrhundert festlegen.

1449 plünderten und beschädigten die Truppen des Markgrafen Albrecht Achilles das Bauwerk; die zur Finanzierung der Wiederherstellung der Kirche angefertigten Ablassbriefe haben sich erhalten.

Da die Reichsstadt Nürnberg die Reformation erst in ihren Außenorten einführte, trat Bruck bereits 1524 der Reformation bei (Nürnberg erst 1525) und unterstand seitdem bis 1796 als evangelisch-lutherische Pfarrei der reichsstädtisch Nürnberger Kirchenbehörde.

Im Laufe des 30-Jährigen Krieges starben von den 1618 gezählten 700 Einwohnern fast die Hälfte, im August 1634 brannten Forchheimer Soldaten den Ort bis auf 14 Häuser nieder. Nach Ende des Krieges lebten in Bruck noch 255 Menschen. Wie ganz Franken erholte sich Bruck nur langsam von den Folgen des Krieges was sich auch in der verspäteten Wiederherstellung seiner Kirche niederschlug. Mit dem Einbau der Emporen im Jahre 1666 wurde eine erste größere bauliche Veränderung an der Kirche vorgenommen, 1726 wurde dann mit der Barockisierung des Kircheninnenraumes eine durchgreifende Erneuerung durchgeführt.

Der seit dem 18. Jahrhundert kontinuierlich gewachsene Ort wurde 1814 Marktgemeinde, erhielt 1861 sogar ein Rathaus und wurde schließlich 1924 der Stadt Erlangen eingemeindet.
 

Die Kirche St. Peter und Paul

Von einer an drei Seiten noch erhaltenen Umfassungsmauer begrenzt, steht der Brucker Kirchenbau auf einer Anhöhe in unmittelbarer Nähe des Flussufers der Regnitz. Die hohe Friedhofsmauer deutet daraufhin, dass die Kirche zu Zeiten eines Krieges den Brucker Bewohnern als Wehrkirche Schutz bieten sollte.

Kapelle
Der heute als Kapelle genutzte Raum war ursprünglich der Kerner (das Beinhaus) des um die Kirche herum angelegten Friedhofes. Von den alten Grabsteinen des Friedhofes ist nur noch einer erhalten, er erinnert an den französischen Offizier Michel Durant, der 1808 in Bruck ermordet wurde.

Kirche

Der heute bestehende Bau von St. Peter und Paul ist eine wohl um 1400 über den Fundamenten eines im 10. oder 11. Jahrhunderts errichteten Vorgängerbaues entstandene Chorturmkirche. Aus der romanischen Bauepoche ist nur noch die Sakristei erhalten. Eine Wandnische neben dem Ausgang erinnert noch an den Brauch, das Taufwasser und den übriggebliebenen Messwein in geweihte Erde zu gießen. Der Ausfluss ist freilich inzwischen vermauert.

Der Turm
Die reichsten gotischen Elemente zeigt der aus lokalen Buntsandsteinquadern gefügte Kirchenbau noch an seinem viergeschossigen Turm, dessen gerahmte Wandfelder jeweils von spitzbogigen Maßwerkfriesen abgeschlossen werden. Neben dem Maßwerk tragen noch die hohen Spitzbogenöffnungen im Erd- und obersten Turmgeschoß den Charakter des älteren Kirchenbaues. Auch die unregelmäßige Durchfensterung des Langhauses mit ihren korbbogig abgeschlossenen Öffnungen und den in der Achse darüber angebrachten hochovalen Okuli weist darauf hin, das der 1726 barockisierte Emporensaal zuvor ein gotisches Langhaus mit ehemals spitzbogigen Lanzettfenstern gewesen ist.

 

 

Ölberg
An der südlichen Turmseite befindet sich ein wohl 1499 entstandener Ölberg mit dem knieenden Christus und den schlafenden Jüngern Petrus, Johannes und Jacobus. Die vier Tonfiguren befinden sich in einer angedeuteten Landschaft, die gesamte Szene ist in einen von Spitzbogenarkaden umgrenzten Anbau eingesetzt. Ein kunsthistorisch weithin berühmtes Vorbild für die im 15./16. Jahrhundert in Süddeutschland aufkommende Ölbergsdarstellung an der Kirchenaußenwand ist der im 2. Viertel des 15. Jahrhunderts entstandene Ölberg an der Nordseite von St. Lorenz.

Sonnenuhr
1752 entstand die Sonnenuhr an der Turmsüdseite: „wie man den Turm wegen Malung der 3 Uhrzeiger rüsten mußte, hat Meister Georg Großner, Huf- und Waffenschmied in Bruck, der auch die Wissenschaft Sonnenuhren zu fertigen beherrscht, einen Sonnenzeiger auf die Mittagsseite des Turms gerissen und gezeichnet, auch die eiserne Stange umsonst gefertigt“ (nach Großner, Rudolf: Bilder aus Bruck, Erlangen 1983).

Geschichtliche Zusammenhänge
Zu Kirchen im näheren Umland gibt es vielfache Verbindungen, so teilt Bruck das Patrozinium St. Peter und Paul mit der Poppenreuther Kirche. Poppenreuth, deren vornehmste Filialkirche St. Sebald in Nürnberg ist, könnte damit zugleich Mutterkirche von Bruck sein. Die Brucker Chorturmanlage, ein im Mittelfranken der Gotik vorherrschender Bautyp, findet sich in ähnlichen Anlagen in Veitsbronn, Petersaurach, Dachsbach oder Hagenau wieder. Den Brucker Turmhelm mit seinen vier bekrönenden Scharwachecktürmchen von 1623 findet man in ähnlicher Form auch in Hannberg, Heroldsberg, Eggolsheim und Burgfarrnbach.
 

Der Innenraum

Deckengemälde

Das Deckengemälde im Emporensaal stammt von 1726/27, wahrscheinlich von dem Erlanger Meister Christian Leimberger (Leinberger?). Es zeigt Christi Himmelfahrt mit dem Symbol der Heiligen Dreifaltigkeit und zwei Engel mit Hostienkelch und Kreuz. Gerahmt wird es von einer Stuckdecke aus Gitterwerk, Akanthus, Weihrauch und musizierenden Engeln. Die Decke im Chorraum zeigt die vier Evangelisten mit ihren Symbolwesen. Den Schlussstein ziert ein Dreieck mit Auge als Sinnbild für den Dreieinigen Gott.

 

 

 

 

 

 

 

Hauptaltar

Der eingezogene, von einem Kreuzgewölbe überfangene Ostchor im Erdgeschoss des Turmes beherbergt den 1508 von Meister Jörg, einem Nürnberger Bildschnitzer aus dem zeitlichen Umkreis des Veit Stoß, geschaffenen Hauptaltar.
Im Schrein sind (von links) die Heiligen Paulus, Petrus und Laurentius dargestellt, auf den geöffneten Flügeln links die Reliefs eines heiligen Bischofs und des heiligen Sebastian, rechts St. Sebald und St. Georg.  Die Predella enthält die Halbfiguren von
St. Andreas, Petrus und Paulus vor zweigeteiltem Hintergrund: der untere Streifen wirkt damasziert mit einer ornamentierten Abschlussleiste, der obere Streifen zeigt einen Himmel mit Sternen. Auf der Rückseite der Predella ist das Schweißtuch der Heiligen Veronika gemalt.

Dem heute erhaltenen Flügelaltar fehlt das Gesprenge (d.h. die ornamentale Bekrönung des Schreins). Lediglich ein Aufsatz mit dem auferstandenen Christus zwischen Engeln mit Kreuz und Geißelsäule haben sich erhalten. Zwei historisierende Rekonstruktionsskizzen (eine mit barocker Bekrönung, eine mit gotischem Gesprenge), die sich aus dem 19. Jahrhundert erhalten haben, lassen vermuten, dass der Altar nie fertiggestellt wurde. Offensichtlich wurde der gotisch inspirierte Rekonstruktionsvorschlag, wie er auf Abbildungen aus den 30er Jahren des 20. Jahrhunderts zu sehen ist,  angenommen.
Dieses Gesprenge wurde mittlerweile abgenommen und ist im Turm gelagert.

Ein spitzbogiger Triumphbogen trennt den erhöhten Chorbereich vom Saal des Langhauses. Von der vorbarocken Ausstattung haben sich an mehreren Stellen Reste erhalten. So kann man den Ansatz der ehemals beseitigten gotischen Tonnenwölbung teilweise noch unter der 1. Empore finden. Unter dem Putz an der chorseitigen Stirnwand des Schiffs haben sich Fragmente von Fresken aus dem 15. Jahrhundert erhalten, sie zeigen (heute unsichtbar) die Heiligen „Drei Madla“ Barbara, Katharina und Ottilie sowie den Heiligen Sebastian.

 

Kirchengestühl und Emporen
Das Kirchengestühl mit seinen Muschelornamenten wurde wahrscheinlich 1666 gefertigt und gleichzeitig mit den Emporen eingebaut. Die Emporen zeigen die vier Evangelisten sowie Darstellungen aus der Heilsgeschichte Jesu von Weihnachten bis Pfingsten. Neben der Orgel sind auf der zweiten Empore der biblische König David mit der Harfe sowie die Heilige Cäcilie mit der Orgel zu erkennen. Die Chorschranken stammen aus der Zeit um 1700. Ebenfalls aus barocker Zeit stammt das Kruzifix an der Südwand. Auf den Schildern an den Enden des Kreuzes sind die Symbolwesen der vier Evangelisten abgebildet: (Engel-Matthäus/ Löwe-Markus/ Stier-Lukas/ Adler-Johannes).

 

 

Kanzel
Die Moseskanzel von 1680 ist ein Werk des Brucker Schreinermeisters Samuel Hartmann, zu der ein namentlich nicht genannter Bildhauer aus Fürth die Figuren lieferte: Die Ikonographie mit Moses als Träger der Kanzel und Christus als Weltenrichter auf der Bekrönung des Schalldeckels stellen der Gemeinde den Bezugsrahmen der Predigt vor Augen. Der vom Berge Sinai herabgestiegene Moses präsentiert mit eindringlicher Gebärde die Gesetzestafeln mit den Zehn Geboten: Er repräsentiert das alte Testament, die Grundlage der christlichen Verkündigung. Auf dem Schalldeckel steht der Weltenrichter Christus mit Strahlenkrone, auf das Ende der Welt und die Erlösung hinweisend. Zwischen beiden Figuren schließlich steht der lutherische Prediger als Interpret von Gesetz und Evangelium. Dass die Worte der Predigt bei den Hörenden ankommen, bewirkt der Heilige Geist. Daran erinnert ein Marmortäubchen, das unter dem Schalldeckel befestigt ist. Die Früchte des Glaubens, die aus der Predigt erwachsen sollen, sprießen von allen Seiten aus der Kanzel.

 

Taufstein
Der achtseitige, kelchförmige Taufstein und der dazugehörige Holzdeckel mit einer Darstellung Johannes des Täufers ist eine Stiftung von 1675.

Madonna
Die um 1390 entstandene gotische Madonna in ihrer barocken Umrahmung an der nördlichen Seite der chorseitigen Stirnwand gehörte zu einem ehemaligen Marienaltar an dieser Stelle.

Kruzifix
Spätgotisches Kruzifix (um 1500) mit den vier Evangelistensymbolen

 

 

 

 

 

 

 

Auferstandener Christus
Unter der ersten Empore steht eine Plastik des Auferstanden aus der Zeit um 1500. Diese gotische Figur befand sich längere Zeit als viertes Stockwerk auf dem Altar, dessen neugotisches Gesprenge 1958 entfernt wurde (siehe oben).

 

 

Bibliographie:
Dehio, Hb d. dt. Kunstdenkmäler Bayern, Bd. Franken München 1979
Großner, Rudolf: Bilder aus Bruck, Erlangen 1983
Hotz Joachim: Aus Frankens Kunst und Geschichte, Mittelfranken, Lichtenfels 1976
Schubert, Alfred: Bruck bei Erlangen, Ein Beitrag zur Kunstgeschichte Frankens, Erlangen 1915
Stolz, Gorg und Michael Jeiter: Franken, Die Region 7, Städte Nürnberg, Fürth, Erlangen, München 1989
Bildmaterial: privat

Mit freundlicher Unterstützung durch Dr. Alexander Klar