An(ge)dacht Februar / März 2026

Kennen Sie das Märchen von der Glocke des Glücks? Es geht ungefähr so:
Da war einmal ein König. Der König war reich an Schätzen, doch glücklich war er nicht. Es fehlte ihm das, was das Herz der Menschen wirklich zufriedenstellt: die Freude. In seinem Herzen wohnte eine große Traurigkeit. Die Menschen im Schloss versuchten vieles, um ihren König froh zu stimmen, aber alles nützte nichts. Der König war und blieb traurig. Die Diener wussten keinen Rat, wie dem König zu helfen sei.
Ein Fremder aber hatte von dem Unglück des Königs vernommen und wollte helfen. Nach langem Bitten wurde der Fremde endlich ins Schloss gelassen. Am Bett des Königs ließ er ein silbernes Glöckchen erklingen. Zunächst schien der König nicht zu hören. Dann aber lauschte er doch ihrem Ton. Der Fremde sprach: „Ich schenke sie dir, König. Ihr Klang soll dein Herz trösten. Er möchte dir aber auch sagen, dass es eine Glocke gibt, die noch viel heller und reiner erklingt. Sie kann dir Kummer und Traurigkeit fortläuten. Suche sie, diese Glocke des Glücks!“
Der König richtete sich nach langer Zeit wieder auf, ja er stand auf. Er ließ die Glocke, die ihm der Fremde geschenkt hatte, erklingen. Wahrhaft, ihr Ton war hell und rein und rührte etwas im Herzen an. Sogleich ließ der König die Diener rufen. Sie sollten gehen und die Glocke suchen, von der der Fremde gesprochen hat. Die Diener fanden zahlreiche Glocken und brachten sie vor den König. Im Schloss entstand ein Glockenzimmer mit Glocken verschiedenster Art. Der König erkannte jede Glocke an ihrem Klang. Die Glocke des Glücks, die das Herz des Königs bis ins Innere rühren und ihn ganz froh machen sollte, war aber nicht dabei.
Eines Tages kam dem König der Gedanke: „So viele Menschen mühen sich, für mich die richtige Glocke zu finden. Was mache ich aber selbst dafür? Vielleicht muss ich sie selbst suchen gehen?“ Und wie gedacht, so auch getan. Der König verließ das Schloss. Er ging übers weite Land und fühlte sich so frei. Überall lag noch Schnee. Doch der Frühling lag in der Luft. Die Vögel sangen. Die Knospen an den Bäumen und Sträuchern warteten darauf, von den ersten warmen Sonnenstrahlen wachgekitzelt zu werden. Und dann fand der König mitten im Schnee zarte feine Glöckchen. Sie hingen an grünen Stängeln. Leise bewegten sie sich im Wind hin und her. Der König musste sich weit hinabbeugen, ja er musste sich hinknien, um ihren Ton zu hören. Es war wohl der feinste und zarteste Ton der ganzen Welt. Still saß der König da. Er horchte tief in sich hinein. Er spürte. wie eine große Freude sein Herz erfüllte. Er wusste, nun hatte er seine Glocke des Glücks gefunden.
Der König in der Geschichte ist traurig.
Den Grund dafür erfahren wir nicht, aber das spielt letztlich keine Rolle. Denn das ist etwas, was wir in der Realität auch beobachten können: Da ist ein Mensch traurig, ohne erkennbaren Grund.
Auch die Bibel weiß von so etwas zu erzählen: Die Berater des erfolgreichen Königs Saul wissen sich kaum zu helfen wegen der plötzlichen, übergroßen Traurigkeit ihres Königs.
Auch hier erfahren wir keinen handfesten Grund. Die Bibel deutet es so: „… ein böser Geist ängstigte ihn“. Und auch hier, wie im Märchen von der Glocke des Glücks, bedarf es des Anstoßes von außen, damit der König aus seiner Traurigkeit heraus findet. Der junge David mit seiner Harfe spielt immer dann, wenn der böse Geist Saul plagt. So einfach ist es in der Realität nicht immer. Etwas aber ist klar: Alleine findet Saul nicht aus der Trauer heraus.
Auch der König aus der Geschichte braucht den Impuls des Fremden. Und der König macht sich selbst auf die Suche, steigt von seinem Thron herab und geht in die Welt.
Saul sendet selbst den Boten zu David, mit der Bitte zu kommen.
Es braucht also beides: den Anstoß von außen und die eigene Aktivität.
So kann es auch außerhalb von Märchen und Bibel heißen:
„Er spürte, wie eine große Freude sein Herz erfüllte.“ –
Dass Sie Ihre Glocke des Glücks finden, das wünsche ich Ihnen, vielleicht ja auf Ihren Wegen durch die
wiedererwachende Natur oder bei Veranstaltungen Ihrer Kirchengemeinde!

Ihre Pfarrerin Imke Pursche