An(ge)dacht April 2021

Pfrin-Anke_WalterMit folgenden Gedanken grüßt Sie
Pfrin. Anke Walter

 

 
Ostern – Sieg des Lebens
Angedacht-2021-April
Bild: Gemeindebrief.de / Pfeffer

Dieses Bild stellt in anschaulicher Weise das Ostergeschehen dar.
Das Kreuz steht deutlich im Vordergrund. Der Tod ist sichtbar. Auch noch Tage und Monate später trauern wir um einen geliebten Menschen. Der Verlust ist mal stärker und mal weniger spür- bar, aber er bleibt. Unser Leben kennt eine Vielzahl an Kreuzen: Hoffnungslosigkeit, Tod und Leid, Einsamkeit und Liebeskummer. Diese Gefühle prägen immer wieder unser Leben und unsere Lebenseinstellung – wie die Kreuze stehen sie dann im Vordergrund.

Die Kreuze stehen in den hellen Kreisen und werden teilweise von dem Gelb aufgenommen. Dadurch werden sie etwas blasser. Die Kreise erinnern an die Grabhöhle, in der der gekreuzigte Jesus bestattet wurde. Der Stein vor dem Grab ist weggerollt. Das Grab ist leer, weil Jesus von den Toten auferstanden ist. Dies widerspricht radikal allen menschlichen Erfahrungen. Aber Ostern ist der Einbruch einer anderen Welt. Der Sieg des Lebens über den Tod.

Die Toten werden von Gott auferweckt. Damit schenkt uns Gott das ewige Leben. Das lässt uns aufatmen in einer Welt, die immer noch durch leidvolle Erfahrungen durchkreuzt wird.

Schon im irdischen Leben durchdringt das helle Osterlicht unsere Kreuze und eröffnet damit neue Horizonte. Das Belastende und Schwere erscheint in einem anderen Licht. Durchflutet von der göttlichen Liebe, die über den Tod hinaus gilt. Und so sehen wir immer wieder mal die Kreuze in unserem Alltag aus der österlichen Perspektive.

Halleluja.
Jesus Christus ist auferstanden.
Jesus Christus spricht: Ich bin die Auferstehung und das Leben. Wer an mich glaubt, der wird leben, auch wenn er stirbt; und jeder, der lebt und an mich glaubt, der wird nimmermehr sterben.
Aus dem Johannes Evangelium 11, 25 f

Ihre Anke Walter

An(ge)dacht Januar 2021

Mit folgenden Gedanken grüßt Sie
Pfrin. Imke Pursche

Wann sind wir da?

Diese Frage kennen Sie bestimmt! Aus ihrer eigenen Kinderzeit oder aus der Zeit, als eigene Kinder klein waren. Daraus spricht eine Ungeduld, wann das Zukünftige endlich eintritt, aber auch eine gewisse Unzufriedenheit über den gegenwärtigen Zustand.
Ich habe diesen Satz zuletzt gehört in den vergangenen Pfingstferien, in denen wir an vier Tagen mit dem Kanu die Altmühl abwärts fuhren. Dabei führten wir mehr oder weniger alles mit, was wir zu fünft brauchten: zwei Zelte, fünf Schlafsäcke, Kocher, Essen, Trinken, Wechselklamotten – könnte ja mal was feucht werden! Dementsprechend waren unsere Boote nicht mehr ganz so leichtgängig wie beim Probefahren, und so manchem aus der Familiengruppe wurde der Arm nach zwei, drei Stunden paddeln schwer. Und als dann an einem späteren Nachmittag noch dunkle Wolken am Horizont auftauchten, ein leichtes Grollen aus der Ferne zu hören war, da wurde diese Frage drängend: „Wann sind wir da?!“ Gemeint war das Ziel des Tages, ein Campingplatz direkt am Fluss, an dem wir Abend und Nacht verbringen wollten. Bei Gewitter auf dem Fluss? Nein, das wäre auch ganz objektiv nicht gut! Ein Blick auf die Karte: Zwischen uns und dem Campingplatz lag keine weitere Anlegemöglichkeit, nur sieben Kilometer wilde Natur. Ein Blick auf den Wetterbericht im Mobiltelefon: Gewitter 80%. Da begann auch ich, unzufrieden zu werden mit dem gegenwärtigen Zustand und das Zukünftige ungeduldig herbei zu sehnen. Beinahe hätte ich eingestimmt in den Chor: WANN SIND WIR DA?!
Ich glaube, das ist eine Situation, die wir im Grunde alle kennen, in unterschiedlichen Bezügen. Wir können sie übertragen in unsere gegenwärtige Lage, in der wir unser Leben unter Beschränkungen führen müssen, Angst haben müssen um andere und uns selbst, in der wir uns auch fragen: Wann ist diese Bedrohung durch die Pandemie endlich ausgestanden? Wir sehnen andere Zustände herbei, vielleicht auch ungeduldig, unzufrieden, ängstlich, traurig, wütend. Die Frage ist aber, was uns in dieser Lage weiterhilft: Das Paddel in den Schoß legen? Den Kopf in den Sand stecken? In den Lamento-Chor einstimmen?
Jesus hat es anders gemacht. Angst hätte er bekommen müssen, als ziemlich zu Anfang seiner Wirkungszeit Johannes der Täufer festgenommen wurde. Der Mann, der ihn getauft hatte, der selbst in der Wüste von der Umkehr gepredigt hatte und durch seinen eigenen Lebenswandel aller Welt gezeigt hatte, dass es auch anders ging. Als Jesus diese Nachricht bekam, dass Johannes vom gegenwärtigen Herrscher Herodes Antipas festgesetzt worden war, hätte er seinen Kopf in den Wüstensand stecken und sich ganz ruhig verhalten können. Aber was tat Jesus kurz darauf? Er berief seine ersten Jünger. Nicht allein wollte er sich dieser Aufgabe stellen. Aber er nahm das Paddel, übertragen gesehen, in die Hand und ruderte weiter auf seinem Weg, obwohl er als Mensch nicht wissen konnte, ob und wie er sein Ziel erreichen würde. Welches Ziel eigentlich? Einen Campingplatz wollte er ja nun nicht besuchen! Ich glaube, sein Ziel und Zweck war: den Menschen zeigen, wie groß die Liebe Gottes zu den Menschen ist. Dieser Weg hat ihn bis zum Kreuz geführt. Jesus hat es wirklich angepackt, uns die Liebe Gottes nahe zu bringen, auch wenn er diese Erkenntnis teuer erkauft hat. Wie es der Monatsspruch für den Monat Februar formuliert: Ihr seid teuer erkauft; werdet nicht der Menschen Knechte. (1. Korinther 7,23)
Wie wäre es also, wenn auch wir angesichts von Unzufriedenheit und Ungeduld mit dem gegenwärtigen Zustand nicht den Kopf in den Sand stecken würden, sondern im Rahmen unserer Möglichkeiten die Sache anpacken würden? Mit der Zuversicht im Rücken, dass da einer ist, der uns begleitet, egal wohin der Weg auch führt, ob da ein Gewitter im Anmarsch ist, oder nicht? Ich glaube, wir könnten getrost in dieser Weise handeln! Denn Jesu Zusage gilt: Ich bin bei euch alle Tage bis an der Welt Ende!

An(ge)dacht November 2020

Pfrin-Anke_WalterMit folgenden Gedanken grüßt Sie
Pfarrerin Anke Walter

Seht, die gute Zeit ist nah!

So heißt es in einem schwungvollen Adventslied. Der Rhythmus lässt einen spüren, dass hier Bewegung drin ist. Da tut sich was. Man ahnt schon, dass es eine Veränderung gibt.

Krippe-Kirche
(c) Monika R.

Es ist ja Advent. Und in den Wochen vor Weihnachten verändert sich immer Vieles. Für die einen wird das Leben noch hektischer und für die anderen beginnt endlich die besinnliche Zeit mit Kerzen, Tannenduft, bekannten Liedtexten und Melodien. Der Advent verändert den Einzelnen und unsere Stadt. Und wie wird die Adventszeit dieses Jahr? Das Jahr 2020 ist von einer furchtbaren Pandemie geprägt. Und nichts ist mehr so wie es einmal war. Die gute alte Zeit ist nur noch Erinnerung. Viele von uns erleben schmerzhafte Einschränkungen oder gar Krankheit. Die Infektionszahlen bestimmen unseren Alltag und unsere Begegnungen mit Anderen. Hygienekonzepte und Masken erschweren uns, sich ungezwungen näher zu kommen und sich zu berühren.

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Was für eine schwierige Zeit!

Wir Christinnen und Christen erinnern uns in diesen Tagen wieder an die 3 An(ge)dacht Zeit, als Kaiser Augustus sein Gebot zur Volks- und Steuerzählung erlassen hatte. Es war eine Zeit wie immer. Neue Gesetze und Regeln bestimmten das Leben der Menschen. Den einen erschienen sie unnütz und schikanös, den anderen erschienen sie sinnvoll und hilfreich. Eine Zeit voller Ängste und Sorgen. Und doch auch Zuversicht und Hoffnungen. Eine Zeit, die in Vielem unserer heutigen Zeit ähnlich ist.

Und mittendrin bekam eine junge Frau ihr erstes Kind – einen Sohn. Das war die Zeitenwende. Denn Gott selber kam in diesem Kind auf unsere Erde, in unsere Zeit, in der so Vieles zu wünschen bleibt. Gott wurde Mensch. Und das Leben der Menschen bekam einen neuen Schwung. Es ist wie ein neuer Takt, der uns von Gott gegeben wurde. Der Takt Seiner Liebe und der Barmherzigkeit. Deshalb sollte auch das Miteinander der Menschen von Taktgefühl und Respekt bestimmt sein. In der jetzigen Zeit kann das bedeuten, dass wir Abstand halten. Und das aus Respekt vor dem Anderen, um ihn zu schützen. Damit achten wir die Verletzlichkeit des Anderen. Das sind Zeichen der Liebe und der Hoffnung in dieser schwierigen Zeit.

Gott selber kam in diesem Kind auf unsere Erde. Er kam und ist für alle da – egal ob groß und klein, ob krank und gesund, ob arm und reich. Allen Menschen wendet sich Gott zu. Die Ängste unserer Zeit trägt Gott nun mit. So können wir getröstet in der Gegenwart leben und in die Zukunft blicken. Es ist ein neuer Rhythmus, den Gott unserem Leben gibt. Die Hoffnung, dass Gott alles gut vollenden wird, hat ihren Grund in der Krippe im Stall von Bethlehem. Da hat Gott Seine unvorstellbar große Liebe zu uns Menschen gezeigt. Eine gute Zeit ist für uns Menschen angebrochen! Gott ist uns jetzt so nah, dass wir die Veränderung spüren können. So wie der Text und der Rhythmus des Adventsliedes uns bewegt:

„Seht, die gute Zeit ist nah, Gott kommt auf die Erde, kommt und ist für alle da, kommt, dass Friede werde, kommt, dass Friede werde. Hirt und König, Groß und Klein, Kranke und Gesunde, Arme, Reiche lädt er ein, freut euch auf die Stunde, freut euch auf die Stunde.“ (EKG 18) Ich wünsche Ihnen eine gute, gesegnete Zeit! Gott, du bist gekommen, damit sich die Zeiten ändern: damit die Blinden dein Licht schauen, die Trauernden wieder lachen, die Lahmen springen, die Verstummten jauchzen und die Kranken zu Kräften kommen, damit unsere Dunkelheiten erhellt werden und gute Zeiten anbrechen. Amen

Ihre  Pfarrerin Anke Walter