An(ge)dacht Juni 2022

Mit folgenden
 Gedanken grüßt Sie
 Pfarrerin
  Imke Pursche.

Liebe Leserin, lieber Leser, 

wann hatten Sie zuletzt so richtig Durst? 
Als Erwachsene hier in diesen Breitengraden bekommen wir das wohl ganz gut hin, unseren Wasserhaushalt zu managen. Wenn man aber mit Kindern unterwegs ist, kann man sich eigentlich darauf verlassen, dass spätestens nach zehn Minuten der erste fragt: „Haben wir etwas zu trinken dabei?“ Dann nutzt die Gegenfrage: „Hast du nicht zu Hause noch etwas getrunken?“ nichts, ebenso wenig wie der gut gemeinte Hinweis: „Wir sind doch bald (wieder) da, da kannst du etwas trinken!“
 Durst zu haben ist eine scheußliche Sache. Und wir alle kennen sicher das erleichterte Gefühl, wenn wir nach so einer Durststrecke dann etwas trinken können: Wie schön kühl das Wasser die Kehle hinunter rinnt! Wie angenehm prickelnd das Radler sich im Mund anfühlt! Wir spüren förmlich, wie die Speicher wieder aufgefüllt werden, wie es sich wieder leichter durchatmen lässt, wie die Kräfte zurückkehren und der Kopf wieder klar wird. Vielleicht haben Sie auch die Bilder aus Indien von Anfang Mai vor Augen, wo eine frühe, fürchterlich heiße Hitzewelle Teile des Landes erfasste und die Menschen lebensgefährlich schwitzen ließ. Da sah man Leute, die sich auf offener Straße Wasser über den Kopf kippten oder selbigen kurzerhand in ein kühles Becken steckten. Nicht wenige mussten im Krankenhaus versorgt werden.

Bildrechte: Wolfgang Karl Krauß, Erlangen

Wasser ist eine Sache von Leben und Tod. Das mussten die Menschen im Ahrtal 2021 auf fürchterliche Weise erfahren. Eine kleine Idee davon bekamen wir rund um Erlangen, wo im Juli die Regnitz ihr Bett verließ. Ein zu viel vom kühlen Nass kann ebenso gefährlich sein wie ein zu wenig davon.

Der Monatsspruch für Juli 2022 stammt aus dem Buch der Psalmen: Meine Seele dürstet nach Gott, nach dem lebendigen Gott. (Psalm 42,3) In einem Land wie Israel vor mehr als 2000 Jahren wird der Durst allgegenwärtig gewesen sein. Und den Wasserhaushalt zu managen wird auch für Erwachsene viel aufwändiger gewesen sein, weil nicht wie heute an allen Ecken und Enden fließendes Wasser vorhanden sein konnte. So ist das Bild, nach Gott zu dürsten, so wie ein Mensch nach Wasser dürstet, ein sehr eindrückliches, damals wie heute immer noch. Ebenso wie das Wasser ist Gott eine Sache von Leben und Tod, von wahrem Leben und Tod. Denn „der Mensch lebt nicht vom Brot allein“, entgegnet Jesus dem Versucher in der Wüste (auch so ein Durst-Ort!), und wir könnten das weiterschreiben: „… und des Menschen Durst wird auch nicht allein von Wasser gestillt!“ Wirklich erfüllt leben wir nicht, wenn wir allein diese Bedürfnisse, die unser Überleben ermöglichen, sichern. Gott hat uns Menschen als gemeinschaftliche Wesen geschaffen, er wollte nicht, dass der Mensch alleine sei. Er hat den Menschen Regeln für das Zusammenleben gegeben. Und er ist uns in Jesus Christus nahegekommen, bleibt in seinem Geist unser Tröster in der Welt. Gott ist lebendig und macht lebendig. Seine Gegenwart gibt uns neue Kraft, wie Wasser nach einer Durststrecke. Meine Seele dürstet nach Gott, nach dem lebendigen Gott – das friedliche und geborgene Gefühl, wenn dieser Durst gestillt wird, das wünsche ich Ihnen!

An(ge)dacht April 2022

Mit folgenden Gedanken 
grüßt Sie 
Diakonin Petra Messingschlager  

 

 

 

 

Gedanken rund um das Thema „aufbrechen“ hatte ich für diese Seite schon geschrieben. Meine Zeilen beschrieben, wie gut es tut, dass es Frühling wird und die Sonne unsere Gesichter und Herzen erwärmt. Dann kam die Meldung, dass Soldaten aus Russland in die Ukraine einmarschiert sind und meine Zeilen kamen mir plötzlich so leer vor. Nun dachten wir vielleicht, mit dem Frühling und dem warmen Wetter wird das Thema Corona kleiner und somit auch unsere Ängste, doch nun machen sich ganz andere Ängste breit. Fassungslosigkeit, Bestürzung und Entsetzen breiten sich aus und nisten sich in unseren Alltag ein.

Gut, dass sich so viele Menschen nicht von diesen Gefühlen gänzlich einnehmen haben lassen. Ich bin dankbar und berührt, wenn ich sehe, wie hoch die Zahlen der Spenden sind und wie engagiert die Laster für Hilfstransporte gefüllt werden. Menschen öffnen Häuser und Räume für Flüchtlinge und versuchen sie willkommen zu heißen.

Und – lassen Sie uns nicht aufhören, für den Frieden zu beten und zu bitten, eine Kerze anzünden, falls uns die Worte fehlen.

Herr, mache mich zu einem Werkzeug deines Friedens,
dass ich liebe, wo man hasst;
dass ich verzeihe, wo man beleidigt;
dass ich verbinde, wo Streit ist;
dass ich die Wahrheit sage,
wo Irrtum ist;
dass ich Glauben bringe,
wo Zweifel droht;
dass ich Hoffnung wecke,
wo Verzweiflung quält;
dass ich Licht entzünde,
wo Finsternis regiert;
dass ich Freude bringe,
wo der Kummer wohnt.

Herr, lass mich trachten,
nicht, dass ich getröstet werde,
sondern dass ich tröste;
nicht, dass ich verstanden werde,
sondern dass ich verstehe;
nicht, dass ich geliebt werde,
sondern dass ich liebe.
Denn wer sich hingibt, der empfängt;
wer sich selbst vergisst, der findet;
wer verzeiht, dem wird verziehen;
und wer stirbt, der erwacht
zum ewigen Leben.

nach Franz von Asissi

An(ge)dacht Februar 2022

Pfrin-Anke_WalterMit folgenden Gedanken
grüßt Sie
Pfrin. Anke Walter

 

 

Zürnt ihr, so sündigt nicht;
lasst die Sonne nicht über eurem Zorn untergehen.
Der Monatsspruch für den Februar steht im Brief an die Gemeinde der Epheser, Kapitel 4,26

„Mach nicht das Rumpelstilzchen!“ bekommt die sechsjährige Emma immer dann zu hören, wenn sie vor Wut faucht, brüllt und heftig stampft. Zornig wirft sich der kleine Lars im Geschäft auf den Boden bei der Kasse, weil der Vater ihm keine Süßigkeiten kauft. Diese liegen aber so appetitlich dort, dass einem das Wasser im Mund zusammen läuft. Wahrscheinlich ist das laute Verhalten seines Sohnes dem Vater sehr peinlich und er ärgert sich – über Lars oder über den Trick der Discounter? Wut, Zorn und Ärger gelten meistens als Gefühle, die nicht gezeigt werden sollen. Bereits die Kinder sollen lernen, sie zu unterdrücken. Unerwünscht, weil es negative Gefühlsäußerungen sind. Unangenehm ist es nämlich für den, der die Wut abbekommt. Aber auch unangenehm für denjenigen, der sie empfindet. Denn in unserer Gesellschaft gilt der Wutausbruch als kindisches Verhalten. Also lernen wir unseren Ärger zu unterdrücken. Dabei ist es laut Psychologen fatal, immer nur freundlich zu sein, alles, was nicht passt, unter den Teppich zu kehren und lächelnd drüber hinweg zu sehen. Denn Wut ist auch eine Art, meine Grenze zu markieren. Wenn der andere so weiter macht, kränkt er mich. Wut und Ärger zeigen also, dass man sich selbst ernst und wahrnimmt. Man leidet unter der ungerechten Behandlung und spricht es aus. Mit den Worten Jesu: „Liebe deinen Nächsten wie dich selbst.“ Oder anders ausgedrückt: Mut zur Wut, denn es ist auch ein Zeichen von Lebendigkeit und emotionaler Ergriffenheit. Man lässt sich berühren. Gleichgültigkeit hilft nicht bei einer ungerechten Situation oder kränkenden Worten, die man an sich selbst oder anderen erlebt. Unser Miteinander gelingt, wenn man sich anrühren lässt.

Doch wenn wir zornig oder wütend sind, gibt es einen guten Maßstab: sündige nicht! Die Wut darf nicht in aggressivem Verhalten oder herablassendem Umgang enden, so erinnert uns der Monatsspruch aus der Bibel. Das bedeutet auch, dass man eine Entschuldigung annimmt. Beiderseitige Bereitschaft ist wichtig, den Anderen wahrzunehmen und sich zu vergeben. Ein klärendes Wort oder eine freundliche Geste sind unabdingbar, damit die Wut nicht die kommenden Tage prägt. Ich wünsche uns allen Mut, auf den Anderen zuzugehen, damit die Sonne nicht über dem Zorn untergeht.

An(ge)dacht Dezember 2021

Mit folgenden Gedanken grüßt Sie
Pfarrerin Imke Pursche

 

Wann haben Sie zuletzt Ihre Fenster geputzt? Für die einen ist das eine lästige Aufgabe, mühselig und anstrengend zugleich. Andere erfüllt es mit Glückseligkeit. Das konnte ich bei einem Geburtstags-Besuch bei einer älteren Dame feststellen, die sich zwar freute über mein Kommen, aber als erstes sagte:

„Ich war so glücklich, jetzt endlich Zeit gefunden zu haben, meine Fenster zu putzen!“ Das verschob sie um ein halbes Stündchen meines Besuchs wegen. Und ich erfuhr, warum unter anderem sie das Fensterputzen so schätzte: Die Sonne schien an jener Stelle, an der sie am Nachmittag so gerne im Sessel saß , wunderbar durchs Fenster. Da käme ein Stück Freude in ihr Wohnzimmer, die seit sie allein lebte, ansonsten nicht so oft zu Gast wäre. Aber eben nur, wenn das Fenster ordentlich geputzt wäre! Durch ein Fenster kommt also herein, wovon wir ansonsten getrennt wären. Und auch andersherum funktioniert das: So oft sieht man Menschen:innen an einem Fenster stehen oder sitzen und hinausschauen. Weil dort etwas Spannendes zu sehen ist, weil gerade das Wetter nicht nach draußen lockt, weil nicht ausreichend Zeit für einen Spaziergang ist. Oder weil das Hinausgehen aus gesundheitlichen Gründen nur schwer oder gar nicht möglich ist. Ich sprach einmal einen Jungen, der ein dreiviertel Jahr mehr oder weniger im gleichen Zimmer im Krankenhaus verbringen musste. Der Junge war schwer krank gewesen und konnte nicht viel machen außer wach im Bett zu liegen. Seine einzige Verbindung zur Außenwelt war das Fenster, das ihm zwar immer denselben Ausschnitt bot, der sich aber durch die Jahreszeiten und im Tagesablauf durchaus veränderte. Dieser Blick nach draußen wäre zeitweise das einzige gewesen, was ihm vermittelt hätte, dass er am wirklichen Leben immer noch teilnahm.

Ein Fenster ermöglicht Verbindung zwischen drinnen und draußen, in beide Richtungen. Und interessant: Das Fenster selbst ist bei dieser Verbindung beteiligt, es ist nicht bloßes Medium. Im Fall des Jungen wird durch das Fenster der Ausschnitt definiert, den er zu sehen bekommt. Im Fall der älteren Dame macht es einen entscheidenden Unterschied, ob das Fenster geputzt ist oder nicht.

In dieser Adventszeit und in der Vorbereitung auf Weihnachten erinnert mich das an folgendes: An Weihnachten kommt etwas zusammen, was noch viel stärker getrennt ist als drinnen und draußen. An Heiligabend feiern wir, dass Gott und Erde zusammenkommen. Gott ist ewig, alles auf der Erde endlich. Gott ist Schöpfer, alles auf der Welt Geschöpf – das sind fundamentale Unterschiede, die noch um ein Vielfaches erweitert werden könnten. In Jesus Christus aber kommt Gott und die Welt zusammen. Er ist das Fenster, durch das hindurch wir Gott erfahren können. Und er bildet den Durchschlupf für Gott in unsere Welt hinein. Dabei ist Jesus eben nicht nur das bloße Medium, er spielt eine eigene Rolle in seiner Funktion als „Fenster“ zwischen Gott und Welt. Tatsächlich in ihm können wir ermessen, wie groß Gottes Liebe zu uns Menschen ist. Er bildet den Rahmen für dieses menschliche Erkennen von Gott. Und in der umgekehrten Richtung bekommt Gott in Jesus Christus etwas zu spüren von der menschlichen Verletzlichkeit, der menschlichen Angst und Verzweiflung, die Jesus im Garten Gethsemane etwa und am Kreuz empfindet. Aber auch etwas von der menschlichen Freude bei der Hochzeit zu Kana zum Beispiel, oder der menschlichen Hingabe, nämlich die der Hirten an der Krippe mit dem Jesuskind.

Freue dich und sei fröhlich, du Tochter Zion! Denn siehe, ich komme und will bei dir wohnen, spricht der HERR – so lautet der Monatsspruch für den Monat Dezember in diesem Jahr. Solche Fröhlichkeit, solche Freude wünsche ich Ihnen in der Adventszeit. Wenn Sie vielleicht aus dem Fenster schauen, etwas genießen, was durch das Fenster herein kommt, oder ein Fenster wie vorne auf dem Titelbild betrachten. Freue dich und sei fröhlich!

An(ge)dacht Oktober 2021

Petra_Mit folgenden Gedanken grüßt Sie
Diakonin Petra Messingschlager

 

Nun leben wir schon seit vielen Monaten mit einer Pandemie, in einer Krise. Einer Krise, die weltweit anhält. Viele erleben so eine Situation zum ersten Mal. Und das hinterlässt Spuren – sogar bei denen, die nicht unter einer Infektion leiden oder gelitten haben. Immer noch treffen wir uns weniger mit unserer Familie und mit Freunden. Abstand halten wird nach wie vor empfohlen und das hat Auswirkungen auf unseren Alltag, auf unser Leben.
Was heißt eigentlich leben in einer Krise? Der Philosoph Antonio Gramsci beschreibt eine Krise so: Eine Krise entsteht, wenn das Alte stirbt und das Neue noch nicht geboren werden kann. Das heißt, Vertrautes bricht weg und meine inneren und äußeren Gerüste kommen ins Wanken. Ich spüre zwar Handlungsbedarf, weiß aber nicht, was richtig oder falsch ist.
Corona lehrt uns demütig zu werden. Es gibt zurzeit keine Gewissheit, dass das gewohnte Leben einfach immer so weitergeht. Planungen, wie Familienfeste, Urlaub oder Veranstaltungen sind immer mit etlichen Fragezeichen versehen und brauchen in der Vorbereitung und in den Vorüberlegungen viel Zeit. Demütig können wir auch werden angesichts der Leistungen der Wissenschaftler und Wissenschaftlerinnen, die fähig sind, mit einem enormen Tempo hochkomplexe und offensichtlich effiziente Medikamente zu entwickeln, die uns helfen und uns wieder ein wenig gewohnten Alltag zurückbringen.
Dennoch ist die Zahl der Menschen, die ihr Leben verloren hat riesig und Unsicherheiten, Ängste und Befürchtungen bleiben und begleiten unser Leben. An manchen Tagen mehr, an manchen Tagen weniger.
Wohin mit meinen Befürchtungen, mit meinen Ängsten? Familie, Freunde und Freundinnen sind uns in solchen Lebensabschnitte gute Begleiter und Begleiterinnen. Doch genau hier herrscht Unsicherheit, denn die Abstände werden weiterhin empfohlen.
Wohin also mit meinen Befürchtungen, meiner Verzweiflung und Ängsten? Ein Blick in die Bibel zeigt uns Lebensgeschichten, die auch von Hoffnungslosigkeit und Ängsten geprägt waren. Wir können lesen, dass Menschen nicht mehr ein und aus wussten und wir können auch von Verzweiflung und Ohnmacht lesen. Besonders imponieren mir hier die Psalmbeter, sie bringen ohne Umschweife ihre Gedanken und Empfindungen vor Gott.
Herr, was tun, wenn ich nicht ein und aus weiß?
„…Dennoch bleibe ich stets an Dir, denn du hältst mich bei meiner rechten Hand…“
Herr, ich habe Angst um meine Kinder, um meinen Mann, um meine Frau…
„…Dennoch bleibe ich stets an Dir, denn du hältst mich bei meiner rechten Hand…“
Herr, warum hilfst Du nicht, Du siehst doch, wie ich leide..
„…Dennoch bleibe ich stets an Dir, denn du hältst mich bei meiner rechten Hand…“
Herr, wo bist Du, ich spüre so gar nichts von Dir und Deiner Liebe…
„…Dennoch bleibe ich stets an Dir, denn du hältst mich bei meiner rechten Hand…
Warum?…
„…Dennoch bleibe ich stets an Dir, denn du hältst mich bei meiner rechten Hand…
 
Diese Rufe an Gott könnte ich noch länger fortsetzten und Sie vielleicht auch. Dieses DENNOCH imponiert mir und richtet mich immer wieder auf. Wie gut, dass es bei unserem Gott keine AHA-Regeln oder 3G-Regeln gibt. Zu ihm können wir kommen und zwar ganz nah und ganz egal wie.
Während ich diese Zeilen schreibe scheint noch die Sonne auf meinen Schreibtisch und die Sonne wärmt uns noch. Die Monate, die kommen, werden auch trübe und dunkle Stunden haben und besonders in denen wünsche ich Ihnen und mir, dass wir mit einem DENNOCH durch die Tage gehen können.
Dennoch bleibe ich stets an dir, denn du hältst mich bei meiner rechten Hand,
Ps. 73, 23

 

 

Ihre Petra Messingschlager

 

Foto: Gemeindebrief.de H. Lehmann

An(ge)dacht August 2021

Pfrin-Anke_WalterMit folgenden Gedanken grüßt Sie
Pfrin. Anke Walter

 

Im Garten werkeln, ihn pflegen und Früchte ernten, sich über bunte Blumenbeete freuen, sich mit einem Eis abkühlen, abends draußen sitzen können – all das verbinde ich mit dem Sommer. Und diese Zeit genieße ich besonders. Da bin ich voll Dankbarkeit und Freude über Gott, den Schöpfer.
Ähnliche Erfahrungen entdecke ich im Psalm 148, den ich in moderner Sprache wiedergebe:

Alles, was ist, soll in ein Lied der Freude über Gott einstimmen.
Stimmt ein, singt mit, lobt Gott, alle, die in den himmlischen Höhen sind!
Singt mit, ihr Engel und die himmlischen Diener.
Lobt Gott, ihr unendlichen Räume im Weltall.

Stimmt ein, singt mit, lobt Gott, alles, was auf der Erde ist,
bis hinab zu den Tiefen des Meeres.
Singt mit, ihr Berge und Hügel.
Lobt Gott, ihr Obstbäume und Kiefern.

Stimmt ein, singt mit, lobt Gott, alle, die ihr auf der Erde lebt!
Singt mit, ihr Herrscher der Welt und alle Völker.
Lobt Gott, ihr jungen Männer und ihr jungen Frauen,
ihr alten und jungen Leute miteinander.

Gottes Glanz überstrahlt Erde und Himmel.
Alles, was ist, soll in ein Lied der Freude über Gott einstimmen.

Stimmen Sie mit ein in das Lied der Freude über Gottes Schöpfung.
Dazu könnte es schon hilfreich sein, mit offenen Augen durch den Tag zu gehen.
Das kann bedeuten, dass Sie sich Zeit nehmen, um die wunderbare Schöpfung überhaupt mal wieder wahrzunehmen. Lassen Sie sich mal wieder das Gesicht bewusst von der Sonne wärmen oder riechen Sie an einer der duftenden Rosen. Machen Sie mal wieder bewusst die Augen auf für die Farben des Sommers und erfreuen Sie sich daran. Die leuchtenden Farben der Blumen tun der Seele so gut. Vieles übersehen wir ja im Alltag. Dabei ermöglicht uns doch der Sommer, Wärme und Farben mit all unseren Sinnen zu sammeln, so dass wir getrost auch die dunklen und nebligen Tage im Leben aushalten.
Ich wünsche Ihnen eine erholsame Zeit im Sommer mit viel Freude an der Natur.
Gott sei Dank gibt es den Sommer.

Ihre Anke Walter

An(ge)dacht Mai 2021

Bild: CC-BY 2.0 Dirk Vorderstraße

Pursche_TalarMit folgenden Gedanken grüßt Sie
Pfrin. Imke Pursche

Gott ist nicht ferne von einem jeden unter uns. Denn in ihm leben, weben und sind wir. (Apg 17,27)

Liebe Leserin, lieber Leser,
wüssten Sie aus dem Stegreif, wo Sie am Montag vergangener Woche um 11:43 Uhr genau gewesen sind? Die Corona-Pandemie hat unseren Tagesablauf zwar stark eingeschränkt, aber wo genau wir uns in der Wohnung, auf dem Balkon oder im Garten aufgehalten haben, was wir genau getan haben, wie wir dabei ausgesehen haben – das dürfte doch in vielen Fällen schwer zu rekonstruieren sein. In meinem Fall ist das an einem Montag im April um 11:43 Uhr anders. Jemand weiß ganz genau, was ich an diesem Tag, in dieser Minute getan habe: der Zweckverband Kommunale Verkehrsüberwachung im Großraum Nürnberg, denn ich bin um 6 km/h zu schnell gefahren! Auf dem Papier steht zwar „Zeugenbefragung“, aber da müssen keine Zeugen eindringlich befragt werden. Das Foto zeigt eindeutig mich, der Blitzer hat mich gut erwischt, das erste Mal in meinem Leben. Ja, das ist ein unstrittiger Beweis. Wenn das doch mit Gott auch so einfach wäre! Mit Gottesbeweisen ist das so eine Sache, das wurde in Mittelalter und Beginn der Neuzeit zur Genüge versucht. Aber letztlich beweisen lässt dieser Gott sich einfach nicht. Der Monatsspruch für den Monat Juli stammt von Paulus: „Gott ist nicht ferne von einem jeden unter uns“, behauptet Paulus. Und weiter: „Denn in ihm leben, weben und sind wir.“ Tja, das sagt Paulus einfach so. Ein Beweisfoto gibt es davon nicht. Mit unserem Erleben trifft es überdies nicht immer zusammen, immerhin ist hier ja auch von „uns“ die Rede. Aber Gott fühlt sich in solchen Momenten doch alles andere als nah an, wenn wir vor lauter Sorgen nicht wissen, wie wir den nächsten Tag überstehen sollen. Wenn wir uns vor der Nacht fürchten, weil wir ahnen, dass der Schlaf kein guter sein wird, sondern im Gegenteil schlimme Bilder von Erlebtem oder Befürchtetem uns zum Alptraum werden. Wenn wir allein unsere Tage verleben müssen, isoliert von Menschen, die uns guttun, unserer geliebten Gewohnheiten und Beschäftigungen beraubt. Gott ist nicht ferne von einem jeden unter uns? – dieses Beweisfoto hätten wir dann vielleicht gerne!
Aber in diesem Fall scheitert die Beweisaufnahme wohl zunächst eher an einem formalen Hindernis: Gott ist zu groß, als dass er auf ein Blitzerfoto passen würde. Anders gesagt: Gott ist für unseren Verstand, auch für unser Herz zu groß, so nah er auch sein mag. Fassen, begreifen, beweisen können wir ihn einfach nicht. Auf dem Foto von uns und Gott, das zeigt, auf welche Weise er bei uns ist, wäre bildlich gesprochen immer nur ein Teil von Gott zu sehen, von dem kein Mensch auf das Gesamtbild schließen könnte.
Doch auf andere Weise blitzt Gott in unserer Welt auf, zu seiner Existenz lohnt es sich, Zeugen zu befragen. Paulus ist auf seine Weise so ein Zeuge. Denn er erlebt es so: „In ihm leben, weben und sind wir.“ Unsere gesamte Heilige Schrift kann uns zur Zeugin werden, ebenso die Glaubenserfahrungen unserer Mitmenschen heute, an denen wir uns festhalten können. Und auf den Blitzerfotos unserer Welt ist zwar nicht Gott selbst in seinem Handeln zu sehen. Wohl aber das Ergebnis seines Tuns, was uns vielleicht jäh in einem Moment der Wahrheit als sein Werk aufblitzt: Wie der erste Sonnenstrahl frühmorgens durch die Nebel über dem Regnitzgrund bricht. Die Nachricht, dass ein lieber Mensch doch gesund geworden ist und wieder am Leben teilnehmen kann. Das erste freundliche Wort eines Menschen, mit dem wir vielleicht länger im Streit haben leben müssen.
Nein, beweisen können wir Gott in unserer Welt nicht, er lässt sich durch keinen Blitzer einfangen. Aber wir können mit offenen Augen durch die Welt gehen um wahrzunehmen, wo etwas von Gott in unserem Leben aufblitzt. Und wir können uns an Zeugen festhalten, wie an Paulus: „Gott ist nicht ferne von einem jeden unter uns. Denn in ihm leben, weben und sind wir.“