An(ge)dacht Januar 2021

Mit folgenden Gedanken grüßt Sie
Pfrin. Imke Pursche

Wann sind wir da?

Diese Frage kennen Sie bestimmt! Aus ihrer eigenen Kinderzeit oder aus der Zeit, als eigene Kinder klein waren. Daraus spricht eine Ungeduld, wann das Zukünftige endlich eintritt, aber auch eine gewisse Unzufriedenheit über den gegenwärtigen Zustand.
Ich habe diesen Satz zuletzt gehört in den vergangenen Pfingstferien, in denen wir an vier Tagen mit dem Kanu die Altmühl abwärts fuhren. Dabei führten wir mehr oder weniger alles mit, was wir zu fünft brauchten: zwei Zelte, fünf Schlafsäcke, Kocher, Essen, Trinken, Wechselklamotten – könnte ja mal was feucht werden! Dementsprechend waren unsere Boote nicht mehr ganz so leichtgängig wie beim Probefahren, und so manchem aus der Familiengruppe wurde der Arm nach zwei, drei Stunden paddeln schwer. Und als dann an einem späteren Nachmittag noch dunkle Wolken am Horizont auftauchten, ein leichtes Grollen aus der Ferne zu hören war, da wurde diese Frage drängend: „Wann sind wir da?!“ Gemeint war das Ziel des Tages, ein Campingplatz direkt am Fluss, an dem wir Abend und Nacht verbringen wollten. Bei Gewitter auf dem Fluss? Nein, das wäre auch ganz objektiv nicht gut! Ein Blick auf die Karte: Zwischen uns und dem Campingplatz lag keine weitere Anlegemöglichkeit, nur sieben Kilometer wilde Natur. Ein Blick auf den Wetterbericht im Mobiltelefon: Gewitter 80%. Da begann auch ich, unzufrieden zu werden mit dem gegenwärtigen Zustand und das Zukünftige ungeduldig herbei zu sehnen. Beinahe hätte ich eingestimmt in den Chor: WANN SIND WIR DA?!
Ich glaube, das ist eine Situation, die wir im Grunde alle kennen, in unterschiedlichen Bezügen. Wir können sie übertragen in unsere gegenwärtige Lage, in der wir unser Leben unter Beschränkungen führen müssen, Angst haben müssen um andere und uns selbst, in der wir uns auch fragen: Wann ist diese Bedrohung durch die Pandemie endlich ausgestanden? Wir sehnen andere Zustände herbei, vielleicht auch ungeduldig, unzufrieden, ängstlich, traurig, wütend. Die Frage ist aber, was uns in dieser Lage weiterhilft: Das Paddel in den Schoß legen? Den Kopf in den Sand stecken? In den Lamento-Chor einstimmen?
Jesus hat es anders gemacht. Angst hätte er bekommen müssen, als ziemlich zu Anfang seiner Wirkungszeit Johannes der Täufer festgenommen wurde. Der Mann, der ihn getauft hatte, der selbst in der Wüste von der Umkehr gepredigt hatte und durch seinen eigenen Lebenswandel aller Welt gezeigt hatte, dass es auch anders ging. Als Jesus diese Nachricht bekam, dass Johannes vom gegenwärtigen Herrscher Herodes Antipas festgesetzt worden war, hätte er seinen Kopf in den Wüstensand stecken und sich ganz ruhig verhalten können. Aber was tat Jesus kurz darauf? Er berief seine ersten Jünger. Nicht allein wollte er sich dieser Aufgabe stellen. Aber er nahm das Paddel, übertragen gesehen, in die Hand und ruderte weiter auf seinem Weg, obwohl er als Mensch nicht wissen konnte, ob und wie er sein Ziel erreichen würde. Welches Ziel eigentlich? Einen Campingplatz wollte er ja nun nicht besuchen! Ich glaube, sein Ziel und Zweck war: den Menschen zeigen, wie groß die Liebe Gottes zu den Menschen ist. Dieser Weg hat ihn bis zum Kreuz geführt. Jesus hat es wirklich angepackt, uns die Liebe Gottes nahe zu bringen, auch wenn er diese Erkenntnis teuer erkauft hat. Wie es der Monatsspruch für den Monat Februar formuliert: Ihr seid teuer erkauft; werdet nicht der Menschen Knechte. (1. Korinther 7,23)
Wie wäre es also, wenn auch wir angesichts von Unzufriedenheit und Ungeduld mit dem gegenwärtigen Zustand nicht den Kopf in den Sand stecken würden, sondern im Rahmen unserer Möglichkeiten die Sache anpacken würden? Mit der Zuversicht im Rücken, dass da einer ist, der uns begleitet, egal wohin der Weg auch führt, ob da ein Gewitter im Anmarsch ist, oder nicht? Ich glaube, wir könnten getrost in dieser Weise handeln! Denn Jesu Zusage gilt: Ich bin bei euch alle Tage bis an der Welt Ende!

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