An(ge)dacht April / Mai 2023

Mit folgenden
 Gedanken grüßt Sie
 Ihre Vikarin
Carina Müller.

 

 
Monatsspruch Mai:
Alles ist mir erlaubt, aber nicht alles dient zum Guten.
Alles ist mir erlaubt, aber nichts soll Macht haben über mich.
1. Korinther 6,12
Bildrechte: Gemeindebrief.de

Alles ist mir erlaubt. Das klingt verlockend! An was denken Sie zuerst, wenn Sie diesen Satz lesen? Dem Kind in mir glitzern die Augen und das Kopfkino zur Umsetzung dieses Satzes beginnt:
Vielleicht starte ich damit, so viele Süßigkeiten zu essen, bis mir schlecht ist (vor allem jetzt nach der Fastenzeit, wo ich so eisern darauf verzichtet habe)? Oder bleibe ich abends so lange auf,
bis ich die Augen partout nicht mehr offenhalten kann? Oder schaue ich mal wieder so viel fern, bis meine Augen viereckig zu sein scheinen?
Na gut, das Erwachsenen-Ich kann ein wenig differenzierter auf diesen Satz blicken. Aber auch da klingt er noch ganz wunderbar. Nur auf eine etwas andere Art und Weise: „Alles ist mir erlaubt“ hört sich nach grenzenloser Freiheit und einem großen Privileg an. Ich denke daran, wie wertvoll es ist, in einem Land zu wohnen, in dem Frieden und so viel Freiheit herrscht. Über so vieles kann ich frei entscheiden, ohne – wie in vielen anderen Ländern dieser Welt – um meine Gesundheit oder gar mein Leben fürchten zu müssen.
Ich kann zu meinem Glauben stehen und meine Meinung frei äußern. Auch wenn mir bei letzterem manchmal mit dem Satz „Man darf ja gar nichts mehr sagen“ widersprochen wird.
Alles ist erlaubt, schreibt Paulus im ersten Brief an die Gemeinde in Korinth. Damit macht er deutlich, die Freiheit gehört zum Kern unseres christlichen Glaubens und ist gleichzeitig nicht absolut. Sie steht in einem gewissen Spannungsverhältnis, denn eben „nicht alles dient zum Guten“ und „nichts (davon) soll Macht über mich haben“.
Mit der Freiheit ist eine Verantwortung verbunden – für mich und für andere. Das, was ich sage und tue, bleibt in den seltensten Fällen meine Privatangelegenheit, sondern hat gleichzeitig Einfluss auf das Leben anderer. Ich muss damit rechnen, auch mal Gegenwind zu bekommen, und bereit sein, Verantwortung für meine Taten und Worte zu übernehmen, vielleicht meine eigene Position zu überdenken.
Diese Gedanken, Verantwortung zu übernehmen und damit sorgsam für mich und andere umzugehen, für große Dinge einzustehen und Brücken zu bauen, entdecke ich im Pfingstfest wieder, dem Geburtstag der Kirche. Als der Heilige Geist auf die Menschen hinab kam, waren sie im wahrsten Sinne Feuer und Flamme für ihren Glauben, und es gründete sich die christliche Urgemeinde. Eine enge Gemeinschaft entstand. Pfingsten erinnert an den großen Traum vom Miteinander aller Christ:innen, an den Wunsch von einer gerechten, liebevollen und verantwortungsbewussten Gemeinschaft und daran, dass ein Verstehen zwischen Menschen mit verschiedener Sprache und Meinung möglich sein kann. Das feiern wir am 50. Tag nach Ostern und macht mir in Zeiten, in denen sich viele Menschen nach mehr verantwortungsvollem Handeln in unserer Gesellschaft sehnen, Hoffnung und Mut, dass dieser Traum Wirklichkeit werden kann.
Paulus gibt uns dafür seinen Praxistipp mit auf den Weg:
„Alles ist mir erlaubt, aber nicht alles dient zum Guten.
Alles
ist mir erlaubt, aber nichts soll Macht haben über mich.“

Ihre Vikarin Carina Müller