An(ge)dacht August / September 2026

Mit folgenden Gedanken grüßt Sie Prädikant Alexander Kail:

„Kommt her zu mir, alle, die ihr mühselig und beladen seid; ich will euch erquicken.“ (Matthäus 11,28)

Die Sommerzeit steht nicht nur vor der Tür, wir sind schon mittendrin. Viele heiße Tage liegen bereits hinter uns.
Für viele Menschen bedeutet das: Urlaub, Ferien, Reisen oder zumindest einige freie Tage. Die Schulen schließen ihre Türen, Vereine machen Sommer-pause, auch im Berufsleben hoffen viele auf eine Zeit des Durch- und Aufatmens. Die Koffer werden gepackt, Ausflüge geplant oder einfach nur ein Platz im Garten gesucht, an dem man die Sonne genießen oder sich ein schattiges Plätzchen finden kann.
Unser Leben braucht Zeiten der Arbeit, aber auch Zeiten der Ruhe, Zeiten der Anspannung und Zeiten der Erholung. Schon die biblische Schöpfungs-geschichte erzählt davon: Nach sechs Tagen des Schaffens ruhte Gott am siebten Tag. Die Ruhe gehört von Anfang an zu Gottes guter Ordnung für unser Leben.
Doch fällt uns das Ausruhen oft schwer. Unsere Zeit ist geprägt von Tempo, Erreichbarkeit, Terminen sowie den permanenten Anforderungen. Das Smartphone begleitet viele Menschen selbst bis an den Strand oder in die Berge Wenn mal kein WLAN vorhanden ist, bedeutet es für einige Mitmenschen gleich eine Katastrophe. Nachrichten aus aller Welt erreichen uns rund um die Uhr. Dazu kommen persönliche Sorgen: die Unsicherheit in politischen und wirtschaftlichen Fragen, die Kriege in verschiedenen Teilen der Welt, die Herausforderungen des Klimawandels oder die Belastungen im eigenen Leben und in der Familie.
Gerade deshalb klingt das Wort Jesu aus dem Matthäusevangelium so aktuell: „Kommt her zu mir, alle, die ihr mühselig und beladen seid; ich will euch erquicken.“ Jesus spricht hier nicht nur Menschen an, die körperlich erschöpft sind. Seine Einladung gilt allen, die das Gefühl haben, immer mehr tragen zu müssen, überfordert zu sein, es nicht mehr schaffen zu können.
Erholung geschieht nicht allein durch Ortswechsel. Manche kommen von einer Reise zurück und merken, dass die innere Unruhe mitgereist ist. Wahre Erholung beginnt dort, wo wir loslassen können: den Termindruck, die Erwartungen anderer, vielleicht auch den eigenen Anspruch, alles perfekt machen zu müssen.
Viele Menschen erleben gerade in solchen Augenblicken etwas von Gottes Nähe. Sie spüren: Die Welt dreht sich weiter, auch wenn ich einmal nichts leiste. Mein Wert hängt nicht von meiner Produktivität ab. Ich darf einfach Mensch sein – ein geliebtes Geschöpf, ein geliebtes Kind Gottes.
Vielleicht bietet der Urlaub auch Zeit für Dinge, die im Alltag oft zu kurz kommen: ein gutes Gespräch, ein Besuch bei Freunden oder Verwandten, ein Buch, das schon lange ungelesen im Regal steht, ein Gebet ohne Blick auf die Uhr. Manchmal entdecken wir gerade in der Entschleunigung neu, was wirklich wichtig ist.
Dabei sollten wir nicht vergessen, dass Erholung ein Geschenk ist, das nicht allen Menschen gleichermaßen möglich ist. Viele arbeiten auch während der Ferienzeit in Krankenhäusern, Pflegeeinrichtungen, bei Polizei und Rettungsdiensten oder in anderen wichtigen Bereichen. Andere können sich keinen Urlaub leisten oder tragen schwere persönliche Lasten. Auch ihnen gilt die Verheißung Jesu. So wünsche ich Ihnen für die kommenden Sommerwochen Zeiten des Aufatmens und der Freude. Mögen Sie Orte finden, an denen Körper und Seele neue Kraft schöpfen können. Mögen Sie Menschen begegnen, die Ihnen guttun. Mögen Sie spüren, dass Gott Sie begleitet – auf Reisen, zu Hause, in der Ferne und im Alltag.
Denn manchmal besteht die größte Erholung nicht darin, weit wegzufahren, sondern darin, sich daran erinnern zu lassen: Gott trägt uns. Wir müssen nicht alles allein schaffen.
In diesem Sinne wünsche ich Ihnen eine gesegnete Sommer- und Ferienzeit – voller Licht, Ruhe und neuer Kraft.