Wort des Dekans (1. Sonntag nach Ostern)

„Ist jemand in Christus, so ist er eine neue Kreatur; das Alte ist vergangen, siehe, Neues ist geworden.“ (2. Kor 5, 17)

Liebe Schwestern und Brüder!
Herzlich willkommen in der ersten Woche mit Lockerungen der Schutzmaßnahmen angesichts des Coronavirus. Langsam werden wir also an das „normale“ Leben mit dem Coronavirus, mit Abstandhalten, Mundschutz und anderen Änderungen gewöhnt.
Hoffentlich nehmen wir da in die Veränderungen unseres Alltags viel von der österlichen Freude mit, die Sie mit Ihren Gottesdiensten, Briefen, Anrufen, Mails, Osterkerzen, Ostersteinen und auf vielerlei andere Weise verbreitet haben. Danke für all Ihre Weitergabe
des Osterevangeliums!
Danke auch allen, die unmittelbar in Pflege und ärztlichem Dienst über die Osterzeit für
Erkrankte und vor allem auch für Sterbende da waren – oder auch „nur“ für Einsame jeden
Alters!
Wir alle spüren – glaube ich, dass sich da einiges grundlegend geändert hat und wir noch
vieles lernen müssen, was wir jetzt noch gar nicht ahnen.
Wie viel ich da noch lernen und wie ich umdenken muss, ist mir in diesen Tagen deutlich
geworden auf einem meiner Spaziergänge durch den Regnitzgrund:
Ich ging wie gewohnt durch die Unterführung am Bahnhof zum Großparkplatz. Eine ältere
Dame sah zwei Bierflaschen am Ausgang der Unterführung am Wegrand stehen. Sie stieg
vom Fahrrad. Sie nahm die beiden Flaschen und wollte sie in den Abfalleimer dort legen.
Ich dachte mir: „Klasse, wie die Dame auch in diesen Zeiten hier für Sauberkeit sorgt.“ Ihr
Verhalten war für mich vorbildlich.
Da meldete sich der Mann von gegenüber, der da meist auf seinem Teppich sitzt und Radio
hört, zu Wort: „Sie können die Flaschen gern mitnehmen, wenn Sie das Pfand haben wollen.
Ich habe aber die extra für den Kollegen hingestellt, der hier täglich vorbeikommt. Der lebt
von dem Flaschenpfand.“
Die alte Dame stellt die Flaschen wieder auf den Boden und fuhr mit Ihrem Fahrrad weiter.
Ich habe kapiert, dass ich noch viel lernen muss, was in der Coronaviruszeit wirklich wichtig
ist und was nicht. Mein Horizont ist manchmal doch ziemlich eingeschränkt.
Ich wünsche uns, dass wir da noch viel lernen miteinander und voneinander, um wirklich
sinnvoll für andere in Zeiten des Coronavirus da zu sein.
Auf meinem weiteren Spaziergang musste ich an die Worte des Apostel Paulus denken, über
die ich mein erstes Referat in einem neutestamentlichen Hauptseminar geschrieben habe: „Ist
jemand in Christus, so ist er eine neue Kreatur; das Alte ist vergangen, siehe, Neues ist
geworden.“ (2. Kor 5, 17)
Ich wünsche Ihnen und mir, dass Jesus auch diese Zeiten nutzt, um uns in seinem Sinn zu
neuen Kreaturen zu machen, Neues werden zu lassen und unseren Horizont füreinander zu
erweitern, wie mir da durch die ältere Dame auf dem Fahrrad und den Mann auf dem Teppich
mein Horizont erweitert wurde.

Eine gesegnete Zeit wünscht Ihnen
Ihr Dekan Peter Huschke